Russland, fremd und geheimnisvoll…

Ist es euch hier nicht kalt genug fragen uns die meisten, denen wir unser Ziel für den nächsten Urlaub nennen. Skitouren in Sibirien. Im Mamay Gebirge – inmitten der Pampas. Ohne fliessend Wasser, WC oder sonstigem Luxus. Bei den bösen Russen! Echt jetzt!?

Unsere Reise führt uns mit „S7“ Sibirian Airlines von München nach Moskau. Nach bestandener Einreisekontrolle durch streng dreinblickende Grenzbeamten bringt uns Sibirian weitere 5.200 km nach Irkutsk.

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Landeanflug auf Irkutsk

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Bogdan – die Perle Sibiriens

In Irkutsk werden wir von knackigen -25° und Bogdan Yagoda erwartet. Er ist unser Chauffeur für die 3-stündige Fahrt nach Vydrino, unserem Ausgangspunkt in der russischen Republik Burjatien.  Unterwegs decken wir uns in einem Supermarkt mit allem lebensnotwendigen (Wodka, Bier, Wein, Chips und etwas Obst) für die kommenden 7 Tage ein.  Beim nächsten Halt treffen wir erstmals unseren Guide und Gastgeber Sergey. Ein bäriger Typ mit Goldzähnen und Latten so breit wie ein Snowboard…

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Sergey

Unser Gepäck wird auf einen Skidoo umgeladen. Sergey erklärt mit einem (goldigen) Lächeln, dass es zur Hütte nur eine knappe Stunde sei, also entscheiden wir uns die Felle aufzuziehen und zu laufen. Nach den vielen Flugstunden sicher ganz angenehm. Zum Glück kennen wir Sergeys, meist recht dehnbare Zeitangaben zu diesem Zeitpunkt noch nicht…

Aus der knappen Stunde werden zwei. Die Sonne verschwindet, es ist arschkalt…und wir finden die Hütte nicht. Zum Glück spricht Christian fließend russisch und so erfahren wir, dass wir daran vorbeigelaufen sind. Abfellen – ein Stück retour! Kurz darauf treffen wir auf Sergey, der sich inzwischen auf die Suche nach seinen verlorenen Schäfchen gemacht hat (er hat uns irgendwann winkend auf dem Sozius des Skidoos überholt) und so treffen wir nach knapp 30 Stunden Anreise,  müde aber happy bei unserem Urlaubsdomizil ein.

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Unsere Hütte – immer gut geheizt und besonders im Schlafraum wohlig warm

Das Lager unter dem Dach ist bereits mit Inga – der Köchin und deren Sohn Swjat belegt. Wir (7) quetschen uns samt Gepäck, den Daunenschlafsäcken, Matten und allem, was man sonst so braucht, irgendwie hinein. Es dauert ein bisschen bis jeder sein Plätzchen gefunden hat, aber mit etwas gutem Willen klappt es ganz gut.

Die nächsten Tage sind durch strahlenden Sonnenschein, Powder, unverspurten Hängen und viel Spaß geprägt. Die Aufstiege sind eher kurz, meist fellen wir 4-5 mal auf.

Bilder sagen mehr als Worte:

Da die tiefen Temperaturen (Frühtemperatur -22 Grad) nicht zum gemütlichen Jausnen einladen, brotzeiten wir meist erst am Nachmittag in der Hütte. Es folgt ein Mittagsschläfchen, bevor Inga am Abend für uns kocht, Sergey die Banja (die russische Sauna) aufheizt und wir uns das eine- oder andere Schlückchen Wodka gönnen.

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Ein Urlaub, ganz nach unserem Geschmack

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Inga und ihr Sohn Swjat, er will später Guide werden

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„Na zdorov’ye!“

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Sergey, ein Fan von Kästle, langen Trinksprüchen und viel „russian Tradition“

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Tourenplanung

 

Nach einer Woche in den Bergen wird unser Gepäck wieder verladen, wir kehren an den Baikalsee zurück. Mit 670 km Länge, 80 km Breite und einer Tiefe 1600 m bildet er das größte Süßwasservorkommen der Erde. Leider können wir die Schönheit des Eises nicht bewundern, da der See zumindest im südöstlichen Teil mit Schnee bedeckt ist.

Wir verbringen die Nacht in einem recht rustikalen Hotel, wo wir wieder auf Bogdan treffen. Er ist nicht nur unser Fahrer sondern auch der Chef unseres Hostels in Irkutsk. Wir erleben Russland generell als freundliches Reiseland aber Menschen wie Inga und Bogdan haben das Ganze zu etwas wirklich besonderem gemacht.

 

Den nächsten Tag erkunden wir Irkutsk – die 600.000 Einwohnerstadt, gilt als das Paris Sibiriens. Von „Juli“ unserer englischsprachigen Reiseführerin erfahren wir alles wissens- und sehenswerte. Mittags steht der Besuch eines mongolischen Restaurants auf dem Plan. Nach dem Besuch der Markthalle sind wir uns alle einig. So eine Stadtbesichtigung ist anstrengender als eine ganze Woche Skitouren!!

Am nächsten Morgen werden wir von Bogdan mit Frühstück versorgt und zum Flughafen gebracht. Hätte Aeroflot ihm den Zutritt gewährt, so hätte er uns sicher noch zu unseren Sitzen geleitet und angeschnallt…

Alles in allem verging unser Urlaub wie im Fluge, wir verbrachten eine tolle Zeit bei Sergey im Mamay Tal, der Powder und die Weite Sibriens ist wirklich legendär.  Wir besuchten den Baikalsee und erkundeten schlußendlich noch Irkutsk. Ermöglicht wurde uns dies durch die Organisation von Christian Leitinger, auch er war begeistert und hat die Termine für die kommende Saison bereits fixiert: 9. – 17.12.2018 sowie 24.2. – 5.3.2019