Sulzfluh Überschreitung

Daten & Fakten:

Gebirgsgruppe: Rätikon

Höhenmeter: ca. 2.000 hm / 24 km

Eckdaten: Latschau – Gauertal – Lindauerhütte – Drusator – Carschinahütte – Gemschtobel – Sulzfluh – Rachen – Latschau

Ich mag mich nicht schinden – zumindest nicht allzusehr und schon gar nicht, wenn es auch anders geht!

Die Überschreitung der Sulzfluh wird in etlichen Berichten als Tagestour beschrieben. Dazwischen liegen aber zwei – wenn man will sogar drei Hütten. Allesamt mit Bewirtung oder Winterräumen. Etwas Neues ist immer schön, also fällt die Entscheidung schnell auf den Winterraum der schweizerischen Carschinahütte. Mir ist nicht ganz klar ob es mit dem Schweizer Tüpfleschiessertum zu tun hat, aber auf alle Fälle muss man sich hier telefonisch beim Hüttenwirt anmelden. Ist etwas ungewohnt, aber irgendwie auch gut so!

Am Samstag vormittag gehts los. Das Leben ist zu kurz für schlechtes (oder zuwenig) Essen & Trinken, dafür habe ich nach abschließender Lastenverteilung am Parkplatz (wieder einmal) das Gefühl, Steine zu transportieren. Vom Feuerwehrhaus in Latschau erreichen wir nach 2 Stunden die geöffnete Lindauerhütte. Gelegenheit, die schweren Rucksäcke abzustellen…und die Wirtschaft zu fördern.

Die nächste Etappe führt uns an den 3 Türmen vorbei zum Drusentor (oder Drusator). Diese Etappe ist landschaftlich die schönste. Zumindest haben wir dort am meisten gesehen. Unterhalb des Drusentors holt uns leider der Nebel ein. Leider, denn angeblich sei hier eine fantastische Aussicht gegeben.

Nun heißt es im Blindflug den Weg zur Carschinahütte zu finden. Laut Karte müssen wir hoch-links-raus halten. Wir haben Glück, genauso schnell wie der Nebel aufzog, verschwindet er wieder. Nach zwei/drei kurzen Gegenanstiegen biegen wir um eine Geländekante und stehen quasi vor unserem heutigen Ziel. Wow, was für ein Tourengebiet – Pretty Prätigau!!

Die umliegenden Hänge locken mit nahezu unverspurtem Pulver, aber nach 1.350 hm knurrt der Magen.

Der Plan: 1. Gang – heiße Gulaschsuppe mit Wienerle und Brot. 2. Gang – hausgemachter Nußstollen & Cappuccino. 3. Gang – Zweigelt. Da die Heizer das Zugmanagement des Ofens wohl irgendwie fehlinterpretieren, gibt’s statt Suppe allerdings nur viel Rauch. Wir ziehen den 3. Gang vor und haben uns gerade mit kalten Würstchen mit ohne Suppe angefreundet, als durch einen eher zufälligen Handgriff, doch noch Leben ins Feuer und damit Schwung in die Suppe kommt. Für etwaige Nachahmer: DREHEN nicht ziehen!

Da das Gastspiel der Sonne eher kurz ausfällt, raffen wir uns am Nachmittag nur noch zu einer kleinen LVS-Übung auf. Schadet ja nie.

Statt der vom Hüttenwirt angekündigten 3er Mannschaft taucht Klaus – ein einzelner, gemütlicher Bayer auf. Passt perfekt! Zu 9t wärs eh eng geworden.

So würdigen wir den Abend mit einer ordentlichen Portion Wurstnudeln, dem einen oder anderen Tässchen Zweigelt – Überreste des 3. Ganges – und etwas Berglerlatein.

Statt des angekündigten Sonnenscheins erwartet uns am nächsten Morgen eher trübes Wetter. Hie und da gibt’s kleine Wolkenlücken, wir hoffen auf Besserung und ziehen bald nach dem Frühstück los. Das Gemschtobel, der Einstieg zum Aufstieg zur Sulzfluh ist bald gefunden. Was von der Ferne eher spektakulär aussieht, stellt sich – zumindest bei den heutigen Verhältnissen – als harmlos heraus. Mit aufgebunden Ski ist die Steilstufe schnell überwunden. Die restlichen 500hm zum Gipfel sind dagegen unerwartet fordernd. Die Spur (und auch daneben) ist glatt und fast jeder der heute hier unterwegs ist, findet sich früher oder später mal auf dem Allerwertesten wieder. Klar, man könnte auch Harscheisen montieren…

Das Wetter ist zwar nicht perfekt aber immer wieder bahnt sich die Sonne ihren Weg durch den Nebel. Am Gipfel ist einiges los. Um diese Zeit ist der Berg fest in Schweizer Hand.

Jetzt soll es durch den Rachen wieder zurück ins Gauertal gehen. Ich freu mich darauf! Am Vortag waren erst einige, wenige Spuren erkennbar. Schöne Wedelspuren! Die Abfahrt mit Firngleiter im Frühsommer 2014 war super, wie genial wird es also erst mit Schi sein!!?

Nun, heute ist´s nicht ganz soooo genial. Was unterhalb des Gipfels noch ganz passabel anfängt, endet in dichtem Nebel und ruppigem 2er * Schnee. Wo sich inzwischen zahlreiche Schitürler heraufkämpfen, kämpfen wir uns runter. Etwas besser wird es eigentlich erst in der Latschenpassage. Die Konturen sind besser erkennbar, der Schnee ist recht griffig und so ist auch diese letzte Steilstufe bald überwunden.

Hier trennen wir uns von „Bayer Klaus“, er will nochmal zur Lindauer aufsteigen, während wir lieber über die Rodelbahn hinunter nach Latschau fetzen. Schifahrerisch ist dies heute eindeutig der größte Spaß, einzig die entgegenkommenden Rodler schrecken sich hie & da etwas…

Schön wars… 🙂

*definiert alles, was nicht Pulverschnee ist