Mindelheimer Klettersteig 7.und 8.11.15

Daten & Fakten:

Gebirgsgruppe: Allgäuer Alpen

Höhenmeter: ca. 1.500 hm u. 13 km

Eckdaten: Mittelberg – Mindelheimer Hütte – Mindelheimer Klettersteig – Fiderepass – Mittelberg

„Auf zum Mindelheimer Klettersteig“ lautet das Motto des Wochenendes. Über Balderschwang und den Riedbergpass geht’s nach Oberstdorf und von dort ins Kleinwalsertal.

Das Walsertal – so nah und doch so fern! Wären an der Walserschanz keine Grenzschilder, man würde meinen, das Tal gehöre zu Deutschland. Neben der österreichischen gibt es auch deutsche Postleitzahlen, sie zahlten früher in D-Mark, selbst ihr Dialekt klingt in meinen Ohren so gar nicht nach dem eines „körigen“ Vorarlbergers. Trotzdem oder gerade darum ist das Walsertal jederzeit die eine oder andre Reise wert. Über 30 Gipfel umrahmen die kleinen Ortschaften, ich kenne bisher vielleicht 10 davon…

Über die Fluchtalpe und die obere Wildenalpe geht’s in etlichen steilen Serpentinen hinauf zur Kemptnerscharte. Von dort ist in knapp 10 min. die Mindelheimer Hütte erreicht. Bisher eigentlich ein weißer Fleck auf unserer Tourenlandkarte. Schade, denn sie bietet wahrlich einen genialen Ausblick auf die Allgäuer Bergprominenz. Höfats, Trettach, die Wetterspitz und wie sie alle heißen.

Nur, wandern boomt eben – im Sommer geht’s hier zu wie „im Himml vor´duss“. Auch heute tummeln sich etliche Leute um die Hütte. Nach der Rucksackgröße schließen wir aber auf Tagesausflügler – uns solls recht sein. Nachdem im Winterraum die besten Plätze gesichert und ein Teil der vollen Rücksäcke in die leeren Mägen gewandert ist, ziehts uns in Richtung Hüttengipfel. Oder was wir halt dafür halten.

Irgendwie kommen wir mit der, von unten angedachten Wegführung nicht so recht weiter. Die Klettergurte fristen derweil ein gemütliches Dasein in der Hütte, die Expressen liegen im Auto und so kraxeln wir halt nur bisschen rum und spähen die ganzen Kletterrouten aus. Alles muss relativ neu sein. Dutzende Bohrhacken und Kettenstände blinken in der Nachmittagssonne. Hier könnte man locker einen Tag aushalten. Von der Ausrichtung her, sollte man hier bereits früh im Jahr klettern können. Wir kommen wieder…dann ist er fällig, der Angererkopf 😉

Das Wetter ist herrlich – dass im November auf über 2.000 m T-Shirt Temperaturen herrschen, ist wohl auf den Martini-Sommer zurückzuführen https://de.wikipedia.org/wiki/Martini-Sommer. Ein Wetterphänomen das anscheinend gar nicht sooo selten ist.

Die leise Hoffnung, dass wir den Winterraum vielleicht für uns hätten, haben wir inzwischen aufgegeben. Bereits von oben sehen wir wieder Menschen. Einen Abstieg ins Tal werden die wohl nicht mehr im Sinn haben. Und wirklich – Oma und Opa sind mit dem Enkel eingetroffen. Weitere Angehörige werden noch vom Klettersteig erwartet. Wenig später trifft eine Mindelheimer Familie ein. Wieder geht die Türe auf – 3 Bayern samt Hund und kurz vor dem Dunkel werden, schlüpft noch eine einzelne Dame herein. Sie schaut etwas geschockt ob der inzwischen recht gut besuchten Stube…

So einen Trubel haben wir bisher noch nie erlebt, schon gar nicht auf einer Hütte mit AV-Schloss, aber es hätte schlimmer kommen können! Irgendwie haben wir es geschafft unser Lager zu verteidigen bzw. hat sich keiner dafür interessiert. So sind wir schlussendlich nur zu viert, die Einzelgängerin ist bei uns eingezogen. Der Rest ist ein gemütlicher Haufen. Keiner hat ein Problem dass die Pfanne vor dem Spülen 4x genutzt wird, einer hilft dem anderen. Man spürt bei allen die ehrliche Begeisterung für die Berge.

In der Früh drücken wir etwas aufs Tempo. Unser Graffl ist bald zusammengeräumt, auf bekanntem Weg geht’s hoch in Richtung Kemptner Köpfle. An der Scharte tummeln sich bereits seit Sonnenaufgang etliche Steinböcke. Sie ignorieren uns scheinbar Irgendwann hab ich den Wohlfühlabstand eines stattlichen Bocks wohl doch überschritten. Mich trifft ein angriffslustiger Blick, das Haupt mit den mächtigen Hörnern senkt sich langsam. Wir sind uns jetzt definitiv näher als mir lieb ist. Ich nehme Reißaus – er dreht ab und trottet uninteressiert über den Wanderweg von dannen.

Wir trollen uns in die andere Richtung. In leichter Kletterei wird das Kemptner Köpfle erstiegen. Über Gras und Schrofen hinab in einen weiten Sattel und auf der anderen Seite allmählich wieder aufwärts. Bald ist der Einstieg (Tafel) in den Mindelheimer Klettersteig erreicht.

Ab hier geht´s auf und ab über Fels, Leitern, Kamine und über mehrere Gipfel dahin. Schöne Kletterei bei gutem Wetter – mit B/C ein technisch unschwieriger, dafür landschaftlich äußerst interessanter Klettersteig. Für die Strecke zwischen Mindelheimer Hütte und Fiderepasshütte benötigen wir knappe 4 Stunden.

Da wir den Schlüssel schon dabei haben, erkunden wir im Vorbeigehen noch rasch den Winterraum der Fiderepasshütte. Auch dieser ist nett und scheint recht gut besucht zu sein. Wasser gibts keines, man sieht dass die letzten, mageren Schneeflecken schon öfters bearbeitet wurden.

Uns bleibt noch der gut 2 stündige Abstieg nach Mittelberg. Kurz unterhalb der Hütte begegnen wir einem Downhiller der sein Hightech-Bike raufschleppt und schiebt. Aufwärts glüht der Kopf, abwärts dann wohl die Bremsen. Spätestens ab der Fluchtalpe hätte uns so ein Radl aber auch gefallen mögen… 😉

Schön wars!