Niedere Künzel 03.10.15

Daten & Fakten:

Höhe: 2.156 m ü. M.

Gebirgsgruppe: Lechquellengebirge

Höhenmeter: ca. 1.300 hm u. 12 km

Eckdaten: Ostanstieg vom Landsteg über die Schiedlenalpe – Abstieg über Gautalpe/Schalzbach zur Landesstrasse

Sicher, einige Berge kann man immer wieder besteigen, sie werden immer wieder schön sein! Was mich aber wirklich glücklich macht, ist etwas Neues zu entdecken, eine unbekannte Gegend zu erkunden. Diese Touren finden sich oft schon länger in meiner Wunschliste, werden oft schon von unten oder von der Ferne beäugt. So auch diesmal!

Die Niedere Künzel ist der wenig bekannte Nachbar der Hochkünzelspitze. Sie ist wesentlich aufwendiger zu besteigen als ihr höherer Nachbar.

Trotz eingehender Recherche habe ich eigentlich nur in meinem Rother Führer eine halbwegs brauchbare Beschreibung dazu gefunden. Diese ist kurz und sehr zutreffend:

Individualistentour, nur kurzzeitig auf Wegen, dann pfadlos und mühsam über teilweise sehr steiles Gras. Ebenfalls sehr steiler Gipfelaufbau mit Gras, Geröll und brüchigen Schrofen. Kletterei II.

Dass mich diese Beschreibung anzieht, wie eine Fliege den Kuhfladen ist eh klar!?

Von Landsteg wandern wir noch recht gemütlich, über einen kleinen Steig zur Schiedlenalpe. Über weitgehend freie Grashänge und später durch Buschwerk, halten wir recht mühsam und (tatsächlich) sehr steil, hinauf zu einer ausgeprägten Geländeschulter.

Kurz durchschnaufen – weiter geht’s unter den Nordwänden der Hohen Künzel. Wir halten uns nordwestwärts und überqueren dabei eine schuttige, tief eingeschnittene Runse, um uns dann in einem kleinen Hochtal wiederzufinden.

Durch das Kar geht es anfänglich noch recht flach und später über eine sehr steile Geröllhalde zum bereits von weitem erkennbaren Joch. Den markanten Felsturm daneben interpretiere ich als Künzelturm.

Ab der Schiedlenalpe ist die Tour komplett weglos. Außer einigen Wildwechseln sind auch keinerlei Steigspuren erkennbar. Am Joch machen wir erstmal Pause, ziehen die Karte zu Rate und rätseln über den weiteren Aufstieg zum Gipfel, von dem wir nicht mal wissen, wo er überhaupt genau sein soll. Schlussendlich wählen wir eine für uns gangbar aussehende, grasige Rinne, die später in Fels übergeht.

Was von unten gut aussieht, entpuppt sich als sehr brüchig. Jeder Zug, jeder Schritt wird doppelt und dreifach geprüft. Auch mit großer Vorsicht donnert der eine oder andere (relativ große) Stein hinter uns in die Tiefe. Gut, dass hier außer uns kein Mensch unterwegs ist.

Die Freude ist groß, als wir nach gut 4 Stunden aus der Rinne steigen und tatsächlich, nur noch wenige Meter entfernt, den Gipfel ausmachen. Als Kreuz dient eine alte Fernsehantenne, Gipfelbuch können wir leider keines entdecken. Macht nix, die Aussicht ist genial, über uns sehen wir die Massen in Richtung Hohe Künzel ziehen.

Für den Abstieg kommt das mitgeschleppte Seil zum Einsatz. Geht schnell und ist vor allem gefahrloser. Am Ende des Stricks heißt es jeweils ein Steinschlag-geschütztes Plätzchen zu suchen. So geht’s hinab, bis wir wieder (steiles) Gras unter den Füßen haben. Wir bleiben auf der zahmeren Seite des Jochs, hier erreichen wir bald den regulären Wanderweg, der in Richtung Gautalpe/Schalzbach führt. Über diesen erreichen wir nach 7 ½ Stunden reiner Gehzeit unser (2tes) Auto an der L200.