Ortler – der König der Ostalpen 6. u. 7.8.2015

Daten & Fakten:

Höhe: 3.905 ü. M.

Gebirgsgruppe: Südtirol – Ortler Gruppe

Höhenmeter: ca. 1.600

Eckdaten: Sulden – Tabarettahütte – Payerhütte – Ortler – Sulden

Wollt ihr mit auf den Ortler? Ja, warum eigentlich nicht…!?

Wiki sagt: Der größtenteils aus Hauptdolomit aufgebaute, stark vergletscherte Berg ist der Hauptgipfel der Ortler-Alpen, einer Gebirgsgruppe der Südlichen Ostalpen. Seine Erstbesteigung auf Befehl von Erzherzog Johann von Österreich im Jahre 1804 zählte zu den bedeutendsten alpinistischen Ereignissen jener Zeit. Bis zur Abtrennung Südtirols 1919 war der Ortler der höchste Berg Österreich-Ungarns. Während des Ersten Weltkriegs richtete die k.u.k. Armee auf dem Berg die mit mehreren Geschützen ausgestattete höchstgelegene Stellung dieses Krieges ein. Heute gilt der Ortler unter Bergsteigern als eines der bedeutendsten Gipfelziele der Ostalpen. Alle Routen zum Gipfel sind anspruchsvolle Hochtouren, von denen der Normalweg von Norden die am meisten begangene ist.

Über den Reschenpass geht’s in südtirolerische Hochtal Sulden. Unser Tagesziel – die Julius Payerhüttte (3.029m), sowie die darunterliegende Tabarettahütte können bei guter Sicht schon vom Ort aus, ausgemacht werden.

Bevor es richtig los geht, schweben wir aber per Sessellift die ersten 500hm gemütlich bergan. Ein bisschen Luxus darf im Urlaub ja schließlich auch sein. (das opulente 2te Frühstück am Reschen vergessen wir jetzt mal)

Jetzt heißts die schweren Rucksäcke schultern. Auf dem Höhenweg Nummer 4 queren wir die Marltmoräne, passieren ehrfürchtig den Gedenkstein für die Verunglückten der Ortler Nordwand und steigen über steile Serpentinen hinauf zur Tabarettahütte auf der Marltscheid auf 2.556m.

Es folgt eine lange Querung bevor wir über steile Serpentinen hinauf zur Bärenkopfscharte steigen. Der weitere Weg verläuft auf der Südseite. Über einen versicherten Steig und eine kurze Holzbrücke geht’s zur bereits sichtbaren Payerhütte.

Wir richten uns wohnlich ein, genießen den Ausblick und lauschen auf der Sonnenterasse den Berichten der eintreffenden Seilschaften. Die Freude über das Erreichte ist ihnen deutlich anzusehen. Die Mächtigkeit des Ortlers ist bereits von hier aus beeindruckend. Ich sende ein paar Stoßgebete gen Himmel und hoffe dass meine lädierten Knie morgen halbwegs mitspielen.

Unsere Konditionstiere haben noch nicht genug und sausen nochmals zur Tabarettahütte hinab. Der Aufstieg soll diesmal über den Tabaratta Klettersteig gehen.

Helmut sagt dazu: wie der Sulzfluh Süd Klettersteig nur ohne Eisen.

Kurt sagt: nöd ohne!

Googelina sagt: Einer der Könige unter den alpinen Klettersteigen! Mit seiner Schlüsselstelle – der ‚gelen Knot‘ – gehört er zu den schwierigsten überhaupt. Eine Herausforderung für wahre Könner. Gänzlich ohne Tritthilfen führt die Route fantastisch und vertikal über 500 Meter durch die nordöstlichen Wände des Ortler. 

Klingt gut, ich schone mich heute lieber und genieße das wunderbare Panorama mit König Ortler als ständigem Blickfang. Weiter westlich sehen wir das Sommerskigebiet an der Geisterspitze und die Kehren der Stilfser Joch Hochalpenstraße. Ja, das Leben ist schön!

Trotz der guten Bedingungen ist die Hütte nicht voll, angeblich wird hier das Essen schon mal in zwei Schichten serviert.

Frühstück gibt’s um 5 Uhr. Eine halbe Stunde später machen wir uns als eine der ersten Seilschaften auf den Weg. Im Licht der Stirnlampen queren wir in der NW-Flanke der Tabarettaspitze zu einer Scharte. Danach geht’s in der SO-Seite weiter. Spätestens hier ist volle Konzentration gefordert. Zu viert an einem Seil ist in den Kletterpassagen manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, klappt aber bald recht gut. Der Himmel färbt sich glutrot als wir das Tschierfeckwandl erreichen. Die Ketten erleichtern den Aufstieg ungemein. Den „Weiberschreck“ –  die angebliche Schlüsselstelle haben wir wohl unbemerkt überwunden. Nach einigem Auf- und Ab ist die Kletterei vorerst zu Ende, über eine eisdurchsetzte Schuttflanke gelangt man auf den Gletscher.

Hier heißt es Steigeisen montieren, Pickel raus und anseilen. Danach gehts steil in Richtung Lombardi-Biwak hoch. Es folgt eine kurze, etwas flachere Passage bevor es über eine Rampe nochmals recht zackig aufwärts geht.

Die Hitze hat dem Gletscher stark zugesetzt. Der Schnee ist bereits in den frühen Morgenstunden weich und die Spalten sind weit offen. Eine Spalte ist nur noch mit einem beherzten Sprung zu überwinden, zwei andere Spalten wurden bereits mit Leitern versehen. Über etliche führen nur noch dünne Schneebrücken, darunter das große, dunkle Nichts… Bleibt es weiterhin so warm, dann wird es hier vermutlich interessant.

Am oberen Ortlerplatt wird es zunehmend flacher bevor wir den unschwierigen Firngrat erreichen und schließlich um 9 Uhr am Gipfel stehen.

Es ist noch ruhig. Nur die gemütliche 3er Seilschaft aus Matrei ist bereits hier.

Wir genießen die Sonne – bewundern den Bianco Grat schon mal aus der Ferne und jubeln erstaunt, als von Kurt zwei Fläschchen Kru(o)mbacher aus dem Rucksack gezaubert werden. Wir treffen noch auf Bekannte von Helmut und Helma welche über den Hintergrat aufgestiegen sind. Langsam trudeln auch andere Seilschaften ein. Zeit zu gehen.

Der Rückweg bei Tageslicht ist nochmal beindruckend. Jetzt sieht man erst, um welche Löcher man am Morgen gewackelt ist.

Nach dem Abstieg zur Payerhütte gönnen wir uns noch eine gemeinsame Pause bevor es hinunter nach Sulden geht.

Nach 9 ½ Stunden stehen wir beim Auto wo uns Helma noch mit Marmorkuchen aus eigener Produktion für die Heimfahrt ins Ländle stärkt.

Im Berghaus Kanisfluh runden wir die gelungene Bergtour auf den „König der Ostalpen“ noch mit einem großen Eis ab!

Eine faszinierende und eindrückliche Tour auf meinen bislang höchsten Gipfel. 🙂